Crossmediale Corporate-Publishing-Strategien zeigen Zielgruppenschärfe in neuer Qualität
Die Jury des Best of Corporate Publishing 2008 war voll des Lobes: „Alles, was an Medienintegration möglich ist, hat sie im Kosmos von "vigo" gefunden“, so zitiert Michael Höflich, Geschäftsführer des Forum Corporate Publishing, die Begründung der Juroren, der AOK Rheinland/Hamburg den Gold-Award in der Kategorie „Medienintegration“ zu verleihen. Hinter "vigo" steckt ein Kaleidoskop aus Print-, Online- und audiovisuellen Medien, geschickt vernetzt und mit hoher Relevanz für die angepeilte Zielgruppe.
Immer mehr Kundenmagazine werden wie "vigo" in komplexe multimediale Konzepte eingebunden. Mit subtil kalkuliertem Zweck: Es geht darum, Zielgruppen im vaporisierten Medienkosmos überhaupt noch zu erreichen. Erst die crossmediale Kommunikation garantiert noch hohe Kontaktchancen. Anlass für den Verband, beim BCP 2008 erstmals die Kategorie „Medienintegration“ einzuführen. Drei Erfolgskonzepte der BCP-Shortlist 2008:
AOK: vigo
vigo adressiert Versicherte im erwerbsfähigen Alter - die mengen- und umsatzmäßig stärkste Klientel der AOK. Doch so wichtig diese Kundengruppe ist, so inhomogen ist sie zugleich: Die junge Mutter zählt dazu ebenso wie der 40-jährige Angestellte. Dass ihre Interessen und Erwartungen an eine „Gesundheitskasse“, wie sich die AOK gern selbst bezeichnet, sehr unterschiedlich sind, liegt nahe. vigo ist stets bemüht, allen Anforderungen gerecht zu werden.
Neben dem Magazin mit ergänzendem Onlineauftritt informiert vigo-TV zu Spezialthemen wie „Aquajoggen“ oder „Kinderschuhe richtig auswählen“. Animationen, Diashows und Podcasts vertiefen einzelne Themen. Medizinisch fundierte Mailings runden das Angebot ab.
Auch das Printmagazin – es erscheint zweimonatlich in 1,1 Millionen Exemplaren in zwei Ausgaben "Rheinland" und "Hamburg" - transportiert neben eigenen Inhalten weiteren, speziell auf Zielgruppen ausgesteuerten Content in Form von Supplements: Junge Familien finden hier die Beilage "Elterninfo Kind", Familien mit Schulkindern erhalten das Jugendmagazin "jojo", Versicherte, die an einem Dialyseprogramm teilnehmen, "Curaplan spezial". Die medien- und zielgruppenexakte Ausprägung der Gesundheitskommunikation rechnet sich offenbar für den gesetzlichen Krankenversicherer. Die nächsten Schritte sind deshalb bereits geplant: Mobilkommunikation und personalisierte Onlineplattformen.
Schweizerische Post: "Direct News"
Bei den Direktmarketern der Schweizerischen Post dreht sich alles um die umworbenen rund 40.000 Marketingverantwortlichen des Alpenlandes. Sie entscheiden, über welche Medienkanäle Zielgruppen angesprochen werden, ob Mailings, Anzeigen oder TV-Werbung zum Einsatz kommen und somit letztlich darüber, ob die Post selbst an den Aufträgen partizipiert oder nicht.
Ein dauerhafter, vertrauensvoller Kontakt zu dieser Zielgruppe ist für die Schweizerischen Postler lebenswichtig. Längst zählt das vierteljährlich mit einer Gesamtauflage von 44.000 Exemplaren erscheinende Kundenmagazin „Direct News“ daher zum Standardinstrument des Dialogs. Unterstützt wird es inzwischen auch maßgeblich von einer elektronischen Ausgabe. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt: Die Printausgabe hält den Kontakt und regt Themen an, die Online-Ausgabe ergänzt und erweitert um jene Medientechniken, die Print nicht bieten kann: Podcasts und Vodcasts, PDFs und Direktlinks.
Die im Printmagazin besprochene Jazz-Band - erst das E-Magazin kann sie zum Klingen bringen. Der im Printmagazin prägnant zusammengefasste Veranstaltungsvortrag - erst im Vodcast lässt er sich mit allen optischen Detailerklärungen authentisch, emotional und vertiefend präsentieren. „Printmagazin und Internetseite werden so ideal verlinkt“, betont Objektleiterin Claudia Stalder.
Ein Erfolgsmodell des Printmagazins ist die personalisierte und beigeheftete Responsekarte. Auch sie findet nun ihr Pendant im E-Magazin als elektronische Postkarte. Die E-Postkarte lässt sich online ausfüllen und gleich abschicken. Verblüffendes Ergebnis: Beide Karten, die gedruckte Responsekarte im Printmagazin und die virtuelle Postkarte im E-Magazin, erreichen vergleichbare Responsequote von 1,5 Prozent.
Coop: Beauty & Life
Auch die Schweizer Einzelhandelskette Coop beweist mit einer ausgeklügelten Kombination aus Print und Onlinemedien große Nähe zu ihren verschiedenen Zielgruppen. Lieben die einen etwa Persönlichkeitstests zum Anklicken am Bildschirm, bevorzugen die anderen dieselben Tests zum Ankreuzen und Auswerten auf Papier. Um allen gleichermaßen Mitmach-Anreize zu liefern, erscheint das Coop-Magazin "Beauty & Life" gleichzeitig als Print- und E-Magazine-Ausgabe.
"Beauty & Life" liegt mit 150.000 Exemplaren viermal jährlich in insgesamt über 440 Coop-Filialen und -Restaurants aus. Die E-Magazine-Version - sie steht zeitgleich mit dem Ersterscheinungstag des Print-Magazins im Internet - belebt das vorgestellte Festivalprogramm mit Ausschnitten, bringt Podcasts und bietet weiterführende Links. Selbst Anzeigen sind adaptiert: In der E-Version führt die Werbung per Klick zum passenden TV-Spot oder zur Firmenhomepage.
Nervenzentrum CP-Dienstleister
Print und digitale Medien wachsen immer stärker zusammen. Damit warten neue Aufgaben auf die Corporate Publisher: Als Contentführer sind sie aufgerufen, dem Interesse ihrer Kunden nach optimaler Zielgruppendurchdringung mit komplexen, medienübergreifenden Strategien zu begegnen. Sie werden entscheiden müssen, ob sie dafür eigene Kompetenzen aufbauen, oder sich mit Partnern zusammenschließen. Laut dem anlässlich des BCP 2008 von Informatikprofessor Franz Josef Radermacher gehaltenen Vortrag findet sich derzeit auch das Corporate Publishing in einer „Zeit der Partnersuche". Radermacher: „Es gilt, jetzt Kooperationen mit Spezialisten verschiedener Medien anzubahnen.“ Damit tragfertige Netze existieren, wenn die Mehrzahl der Kunden Gesamtleistungen über alle Medien hinweg erwarten. Also bald.
FCP